Jubiläumsausstellung 2020 50 Jahre Kreis 34

 Anna Tarach zur Eröffnung der Jahresausstellung

Art – En – Vielfalt

50 Jahre „Kreis 34“ am 20.10.2019

Meine Damen und Herren, liebe Künstlerinnen und Künstler, herzlich willkommen zur der Jahresausstellung des „Kreis 34“. Liebe Gäste, lieber Vorstand des Künstlerhauses, liebe Sponsoren, ich begrüße Sie herzlich zur Vernissage der Ausstellung mit dem Titel „Art – En – Vielfalt“ hier in der oberen Galerie des Künstlerhauses.
Ich möchte mich zunächst vielmals bei unseren  Sponsoren: dem Künstlerhaus Göttingen, vertreten durch Reinhard Irmscher, und  der Stadt Göttingen, vertreten durch Otto Arnold, für die finanzielle Unterstützung dieser Ausstellung bedanken. Es hat uns viel Engagement gekostet, diese im Lichte des 50 – jährigen Jubiläums interessant zu gestalten. Ebenfalls bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Martin Melchert von „Zeit Zeug“ in der Nikolaistrasse. Er hat uns in viele, für den „Kreis 34“ historische Dokumente, den Einblick verschafft, nachdem er sie vor der Vernichtung bewahrte. Eine Skulptur von Henry Hinsch wurde uns geschenkt. Herzlichen Dank dafür an Herrn Nauber vom Max-Planck-Institut. Ich danke auch Greta Mindermann-Lynen, die mich mit unermüdlichem Einsatz unterstützte. Ich danke den Künstlerinnen und Künstlern des „Kreis 34“ die geduldig waren.

Meine Damen und Herren, für das grafische Symbol der diesjährigen Ausstellung habe ich eine Zielscheibe gewählt, weil wir als eine Künstlergemeinschaft viele Ziele haben – ein Ziel ist es, die Kunst zu fördern. Der „Kreis 34“ hat mit viel Geschick, eine wahrhaftige Vielfalt von Künstlerinnen und Künstler durch die Jahre motiviert. Diese Künstlergemeinschaft hat auch für die Zukunft weiterhin viele Ziele, wie sie bereits von dem damaligen Gründer formuliert wurden. Welche das sind und was das mit Vielfalt zu tun hat möchten wir  Ihnen etwas genauer erklären. 50 Jahre ist es her, als Henry Hinsch mit einer Gruppe von Künstlern den „Kreis 34“ als Künstlergruppe ins Vereinsregister eintrug. Darüber können sie etwas  mehr erfahren, wenn sie im weißen Saal unsere Präsentation “Kreis 34 über die Jahre“ anschauen.  Zu unserer Ausstellung haben wir, Dank Herr Mäcker, einen Katalog erstellt, der ausgewählte Ausstellungsexponate abbildet. Der Katalog ist heute und während der Ausstellungsdauer hier zu erwerben, für nur 3 Euro pro Exemplar. Sie können ihn auch gleich von den anwesenden Künstler signieren lassen. Die Tombola im Gewölbekeller ist unser Geschenk an das Publikum, mit 5 Euro unterstützen sie das Künstlerhaus, und mit ein wenig Glück kommen sie in den  Genuss des  Besitzes eines originellen Kunstwerkes….

Und jetzt möchte ich der Ausstellung ein paar kurze Worte  widmen. Für mich  ist  es eine schöne aber nicht alltägliche Aufgabe und zugleich eine große Herausforderung, nicht nur die Ausstellung vorzubereiten, sondern 19 Künstlern, deren Schaffen und Werken gerecht zu werden. Viele Worte haben jedoch noch nie ein künstlerisches Werk vollendet, und sicherlich nicht in ein paar Stichwörtern und am allerwenigsten in ein paar Minuten.
Doch will ich jetzt jeden Künstler durch seine Kunst sprechen lassen, denn nur so kann man am Besten ausdrücken, was sie/er mit der Kunst bewirken möchten:

Im  weißen Saal haben wir Skulpturen von Greta Mindermann – Lynen, u.a. mit dem Titel „Durchbruch 2017“.  Stücke, verarbeitet von der  Künstlerin, lassen dem Betrachter Spielräume offen, und scheinen mit ihm einen persönlichen Dialog  zu führen.  Maria Truskolawskas Skulptur „Phönix“ ist, wie die Künstlerin selbst sagt, eine Botschaft der Hoffnung für die Welt. Mit Materialien aus ihrem ganz persönlichen Fundus stellt Truskolawska einen Phönix zusammen, aus dem zierliche Puppenhände wie Sonnenstrahlen herausragen. Sie versucht der Welt zu erklären, dass es eine Hoffnung gibt. Gerade die gemalte Bildersprache fasziniert uns, besonders, wenn sie der Vorstellungskraft unserer Fantasie Freiraum verschafft. Das Bild “Verlaufen“ von Christiane Christen erreicht uns mit der Wärme des Waldes in den Herbstfarben, und wir können das „sich im Wald verlaufen“ genießen. Kunstschaffen heißt auch schauen und Mut haben, für Farbe – Oberfläche – Untergrund, in diesem Fall will die  Künstlerin mehr, auch die Faszination des  menschlichen Körpers: eine Künstlerseele spiegelt sich in Danielas Rennebergs Bildern. Die im „Kreis 34“ neue Künstlerin absolviert am 1. November als Meisterschülerin die  Akademie für Malerei in Berlin. Ich hatte anfangs erwähnt, dass ich den Künstlern, deren Werken und ihrem Schaffen durch Stichworte, bestimmt nicht gerecht werden kann. Mina Farjadi kann es uns ohne Worte zeigen, dass unser eigener Körper etwas ist, was uns jederzeit im Stich lassen kann. Diese Erkenntnis verdichtet sich in ihrem Bilderkreislauf. Dazu verdeutlicht sie die Vergänglichkeit der eigenen Existenz, durch symbolisch platzierte „Schnipsel“ von  Tablettenverpackungen.

Pettra Biertümpfel arbeitet mit zärtlichen Spinnweben und Pflanzensäften, sie überträgt Pigmente auf Holz Untergrund. Es entstehen Bilder die  Fragmenten des kosmischen Welten ähneln. Käthe – Charlotte Sablotzki – Weise: Die Malerin bevorzugt klare Kompositionen. Sie reduziert ihre Bildmotive auf das Wesentliche. Klar und entschieden in der Bildordnung ist das Bild Netzschlange, und gebrochen in der Mischtechnik leben ihre Materialkontraste in pastelligen Farboberflächen. Im weißen Saal und am Eingang zur oberen Galerie finden wir die  Fotografien von Arash Garemani. Besonders seine Cyanotypien wirken grafisch, wie gezeichnet. Der Fotograf ist viel unterwegs und folgt kompetent seiner Intuition und trifft die bildnerischen Entscheidungen deutlich und klar. Ich habe den Eindruck das Sabines Schäfers neuere Bilder viel schneller und spontaner entstehen, eine entschlossene Pinselführung und gedämpfte Farbigkeit zeigen die Natur. Die Künstlerin besitzt eine Fähigkeit expressive Darstellungen von statischer Erscheinung zu schaffen und diese auf  die Leinwand zu übertragen. Die Gesichter und Körper der Kompositionen bei Karl-Heinz Haselmeyer lassen uns das nicht Ausgesprochene und Überraschende entdecken in dem das Vergängliche des menschlichen Körpers durch die Unvergänglichkeit der Gedanken ersetzt wird. Frank Helge Steuers „Steel Art Skulpturen“, sind kompetent in jeder Kante und Einzelheit ausgearbeitet. Wolfgangs Hiltschers Bildinstallation  ist ein Zitat aus dem Märchen „Frau Holle“ der Brüder Grimm. Für die nächste Künstlerin Friederike Hammer beginnt der Farbauftrag auf der weißen Leinwand meist mit starken Farben, spontan, aber bedacht. Starker und trockener Pinselduktus kommen dazu, vermischen sich, ein Spiel beginnt  JOY – wenn sich eine Form, in Gestalt herauskristallisiert. Die junge unbekümmerte Frau blickt auf uns voller Freude. Bernd-Michael Hoffmans „Stimme des Waldes“: der Betrachter ist aufgefordert, sich mit dem Zusammenhang seiner Bild – und – Skulpturen -Titel, und deren gestalterischen Umsetzungen auseinanderzusetzen. Mit großer Kompetenz geschieht der Transfer solcher Ideen in die Realität. Ute Dietrich, Textildesignerin, verbindet mit Paintfotografie grafische Naturmotive, stellt sie zusammen mit malerisch ausgewogenen Pinselstrichen und druckt das Resultat auf Aluminium. Wir können diese, durch die Künstlerin neu geschaffene Ästhetik, als Designarbeit betrachten, die schrittweise entsteht. Über meine, Anna Tarachs Bilder können sie über die  Titel erfahren, dass mehrere Heimatversionen manchmal entstehen, wenn etwas vermisst oder gesucht wird. Janina Fiorin tauscht die Eigenschaft der Materie des Steines in weich verlaufende Gesichtskonturen des weiblichen Kopfes im afrikanischen Serpentin aus. Martinas Böhminghaus „Morgenrot“ und „in Between“: diese Bilder verführen zum Innehalten und Stillsein und dem aufmerksamen Betrachter überträgt sich Ihre Freude an der Farbfeldmalerei. Bernhard Preis hat mit futuristisch fleckig gesetzten Farbfeldern in grellen grün Akzenten ein Schaufenster zur Schau gestellt. Malerische Akzente und deutliche Form: das Motto des  nächsten Künstlers. Peter Malcher stellt mit dem „Kreis 34“ zum ersten Mal aus. „Globaler Unfug“ und „Flugzeug“ sind unterschiedlich voneinander, lassen aber nach genauer Betrachtung das Farb -Schema des Künstlers erkennen. 
Ich könnte über jede Künstlerin und jeden Künstler noch Stunden lang erzählen, jedoch möchte ich sie gerne auffordern:  zu schauen.

Zum Schluß meiner Ausführungen bin ich überzeugt das für das Schaffen von unseren Künstlern gilt: Kunst braucht nicht nur Ihren Freiraum, sondern auch Vielfalt. Diese Vielfalt repräsentieren wir. Die Unterschiede zwischen den Künstlern unseres Kreises 34 manifestierten sich durch die Jahrzehnte hindurch in den vielfältigen Kunstbereichen,  in denen sie sich engagierten, sich weiter entwickelten und spezialisierten. Es war die Idee von Henry Hinsch, sich nicht nur gemeinsam zu präsentieren, sondern eine Basis zu schaffen, auf der man gemeinsam in den Dialog mit dem Publikum treten kann. Wenn man es sich richtig überlegt: ohne Henry Hinsch wäre ich nicht hier, wäre hier vielleicht keine Ausstellung. Einen Menschen wie Henry Hinsch erlebt Göttingen nicht ein zweites Mal, deshalb fordere  ich alle Künstler auf auch zukünftig diese gemeinsame Basis zu pflegen, zu schätzen und zu schützen, denn Zeit und Lust zum Malen und künstlerischen Schaffen reicht nicht, um Kultur für die Zukunft zu bewahren.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.